Sarah-Louisa Rohrer
ist Miss Universe Switzerland Kandidatin.
Beat Müller, CEO der Star Productions GmbH. sro
Star Productions in Waldstatt und St.Gallen ist eine Werbe- und Eventagentur. Die Branche hat sich in den vergangenen Jahren stark gewandelt und steht vor einigen Herausforderungen – aber auch vor Chancen.
Eventbranche Betritt man das Büro von Beat Müller, CEO der Star Productions GmbH, lesen sich an den Fenstern diverse Strichwörter – wohl für Projekte, vielleicht sind es auch Ideen aus einem Brainstorming. Jedenfalls ist zu spüren, dass in diesen Räumen kreativ gearbeitet wird. Die Star Productions setzt Projekte aller Art um. Dabei reicht die Palette von Werbekampagnen und Kommunikationsmassnahmen für Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen bis hin zu «Employer Branding Konzepten», Grafikarbeiten und Markeninszenierungen, Teambildungsanlässen und Kongressen. Auch Events jeglicher Art wie Food-Festivals, Firmenevents, Neueröffnungen, Bauprojekte bis hin zu Konzerten, Seenachtsfesten und Tourneen mit Künstlerinnen und Künstlern runden das Portfolio ab. «Die Abwechslung macht unseren Job so spannend und schön – es ist immer wieder etwas Neues. Kein Event ist wie der vergangene, selbst wenn wir teilweise auch wiederkehrende Anlässe haben», sagt Müller. Diverse Nationen, unterschiedliche Generationen und Zielgruppen: Stets muss anders konzeptioniert werden. Und man müsse mit dem Zeitgeist gehen.
Die Eventbranche ist gleichermassen spannend wie risikoreich – das zeichnete sich in den vergangenen Jahren immer mehr ab. «Herausforderungen hat es in unserer Branche schon immer gegeben. Das reicht von der Problematik mit Platzverhältnissen über Sicherheitsauflagen, Anstössern bis hin zur deren Belastung mit Lärm und dem Spagat zwischen allen beteiligten Akteuren», sagt Müller. Herausforderungen seien aber lösbar – mal einfacher, mal mit mehr Kompromissen. «Die Finanzierbarkeit von Events ist für uns immer ein grosses Thema – seit einigen Jahren macht sich das verstärkter bemerkbar», sagt Müller. Ist der Eintritt zu hoch, fehlen die Gäste, ist der Eintritt kostenlos, ist es schwierig, die Kosten zu decken. Die Star Productions führt Events in der Region, aber auch schweizweit durch. Es gäbe dabei aber sicher Orte, die nicht abgedeckt seien. «Das hängt stark mit dem Einzugsgebiet und der Erreichbarkeit durch den öffentlichen Verkehr ab. Das ist ein zentraler Punkt, egal bei welchem Zielpublikum», so Müller.
Die Eventbranche ist in stetem Wandel, das Verhalten des Publikums verändert sich immer wieder. Nach der Pandemie sei das Ausgeh- oder Vorverkaufsverhalten anders gewesen. «Entscheidungen wurden früher schneller getroffen, heute wird kurzfristig entschieden – je nach Wetter oder anderen Möglichkeiten. Die Vielfalt an Angeboten ist enorm», sagt der CEO. Doch für Veranstaltende ist die Planung das Allerwichtigste – könne man den Vorverkauf nicht abschätzen, entstehe Druck. Das gehört mit zu den grossen Herausforderungen in der Branche. «Wir haben gelernt, nicht zu nervös zu werden. Ich denke, dass wir künftig schon im Vorfeld mehr Sponsoren oder Kulturgelder bekommen oder Events neu gedacht werden müssen», sagt Müller. Anders sieht es bei den Firmenanlässen aus. Da sind vorgegebene Budgets massgebend und das Erlebnis für die Gäste steht im Vordergrund.
Insbesondere bei der jungen Generation hat sich das Ausgehverhalten signifikant verändert. Wo die Jungen früher die Nacht zum Tag gemacht haben, sind heute Events am Tag beliebter, da man noch etwas vom nächsten Tag haben will. «Es ist auch eine schöne Entwicklung zu sehen, dass das Miteinander und Aufeinandertreffen abseits von Social Media stattfindet – und auch ausserhalb der Clubs, damit die Wanderung am kommenden Tag stattfinden kann», sagt Müller. Es entstehen immer neue Trends von Präferenzen. «Wir müssen dafür sorgen, das Angebot anzupassen, um unser Risiko zu mindern», betont er. Derzeit würden kostenlose Events am besten funktionieren – Besuchende können spontan entscheiden, ohne Geld zu verlieren. «Andererseits funktionieren auch die sehr zielgerichteten Events, die etwas kosten. Es gibt viele Künstler, in Comedy, Musik oder Literatur, bei denen wir wissen, das zieht.» Es gehe schliesslich vor allem darum, dass Gäste Emotionen erleben könnten. Die jetzige Vielfalt sei aber keinesfalls selbstverständlich. Immer wieder lese man, dass Veranstaltende aufhören, da die Finanzierung nicht mehr sichergestellt werden kann. «Wenn wir nicht aufpassen, verschwindet die Vielfalt plötzlich schnell.
Die Eventbranche ist im Moment keine, von der man gut leben kann. Das macht man nicht (mehr) des Geldes wegen, sondern aus Leidenschaft», meint Müller. Auch früher habe man sich keine goldene Nase verdient, das Risiko sei heute aber um ein Vielfaches grösser. Unterstützung von Kantonen und Gemeinden und Stiftungen sei heute wichtiger denn je. «Um die Seeregion mache ich mir Sorgen. Es wird nächstes Jahr voraussichtlich keinen Slow-Up und kein Seenachtsfest Romanshorn mehr geben, auch das in Arbon fand dieses Jahr nicht statt, da es nicht finanzierbar gewesen wäre. Es ist doch auch im Interesse von Kantonen und Regionen, dass sie belebt bleiben.»
Die Künstlerinnen und Künstler werden von der Star Productions von A bis Z begleitet. Einzig auf die künstlerische Freiheit wird kein Einfluss genommen. «Um den ganzen Rest kümmern wir uns – damit Zeit für die Vorbereitung und die Kunst der jeweiligen Person bleibt», sagt Müller. Man halte auch immer wieder nach Nachwuchstalenten Ausschau, egal ob das Poetry Slam, Literatur oder Musik sei. «Es ist zeitintensiv, Nachwuchs aufzubauen, aber für beide Seiten schlussendlich eine Win-win-Situation. Wir sorgen dafür, dass die Nachwuchskräfte eine Plattform erhalten und die Veranstalter neue Protagonisten.». Was sich ebenfalls stark verändert hat, sind die Gagen von Auftretenden. «Heute sind Auftritte oftmals die wichtigste Einnahmequelle von Künstlern und Musikerinnen», meint Müller. Das schlage sich in der Gage nieder, bringe aber die Veranstalter teils an ihre Grenzen. «Doch auch andere Kosten sind gestiegen – für Ton- und Lichttechnik, Saalmieten sowie Heizung und Strom.»
Blickt Müller auf die vergangenen Events und Projekte zurück, ist ihm besonders das 1'200-Jahr-Jubiläum Gossau in Erinnerung geblieben. «Die Vorbereitungen haben sich über mehrere Jahre gezogen, da es so vielseitig war. Auch das Lokale und die Nähe gefielen mir. Alle Generationen und Kulturen konnten verbunden werden», schwärmt er. Projekte, die nachhaltig einen Effekt haben, schätzt er auch sehr – wie zum Beispiel den Holzweg in Waldstatt, den Star Productions mitentwickelt hat. «Die Events, die sehr vergänglich sind, hinterlassen aber auch immer Eindruck. Das Schönste finde ich, wenn ich Geschichten höre, wie Ehen, Familien oder neue Freundschaften dort entstanden sind», so Müller.
Stefanie Rohner
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