Sarah-Louisa Rohrer
ist Miss Universe Switzerland Kandidatin.
32 Personen besuchten die Informationsveranstaltung Obstmarkt und Platz 2.0. z.V.g.
Nach der verlorenen Abstimmung im vergangenen Jahr soll die Herisauer Bevölkerung erneut über die Neugestaltung und Sanierung von Obstmarkt und Platz abstimmen. Letzte Woche präsentierten die Verantwortlichen den Gästen, wie das Projekt angepasst werden könnte, damit das Projekt in einer erneuten Abstimmung nicht wieder abgelehnt wird.
Infoveranstaltung Im März wurde die Bevölkerung an ein Dialogforum eingeladen, an dem sie sich in das Projekt einbringen konnten. Damals wurden vom Gemeinderat die Meinungen und die Ideen der Bevölkerung zum Vorhaben wertfrei aufgenommen. Aufgrund dieses Stimmungsbilds hat die Projektsteuerung mögliche Anpassungen für ein mehrheitsfähiges Projekt «Obstmarkt und Platz 2.0» erarbeitet. Im März erschienen 60 Personen, am letzten Mittwoch kamen wiederum 32, um sich erneut mit der Zukunft von Obstmarkt und Platz zu befassen – und die vorgeschlagenen Anpassungen zu bewerten. «Ein erweitertes Projekt hat gegenüber der Sanierung nach wie vor einen Mehrwert», sagte Max Eugster, Gemeindepräsident von Herisau. Die Erwartungen an das Projekt vom Dialogforum hätten sich teils widersprochen und es sei nicht immer einfach gewesen, darauf einzugehen. «Ohne Kompromisse wird es nicht funktionieren. Wir sind aber überzeugt, etwas Gutes vorstellen zu können», so Eugster. Im Zentrum stand die Frage: Wie kann das Projekt Obstmarkt und Platz an einer nächsten Volksabstimmung mehrheitsfähig sein? Die erarbeiteten Anpassungen waren an sechs Themen-Stationen zusammengefasst, die vom Gemeinderat beziehungsweise externen Projektbeauftragten betreut wurden: Die Themenstationen umfassten die Pflästerung, Parkplätze und Verkehr, Biodiversität und Begrünung, Möblierung, Nutzung und Infrastruktur sowie Finanzen. Punkto Finanzen betonte Eugster klar, dass nur dann mit Agglomerationsgeldern des Bundes zu rechnen sei, wenn nun beim Projekt nicht zu viel «weggespart» werde.
«Die Gelder kommen jeweils nur dann, wenn Projekte einen Mehrwert aufweisen. Deshalb sind Einsparungen eine Gratwanderung», meint Eugster. Die Verantwortlichen präsentierten am Infoabend nämlich, dass die nun angedachte Pflästerung 843'000 Franken weniger kosten würde als im abgelehnten Projekt. Und würde im Projekt auf die vorgesehene Warteggtreppe verzichtet werden, würden weitere 80'000 Franken entfallen. Weitere 90'000 Franken würden gespart, sollte auf den Brunnen vor der Kirchenmauer verzichetet werden. «So könnten wir eine Million einsparen», meint Eugster. Damit sich die Bevölkerung von der Pflästerung ein Bild machen kann, soll zudem eine Musterfläche entstehen, die zu Fuss, mit Rollstuhl oder Rollator vorgängig getestet werden kann. Die Pflästerung wurde bei der letzten Abstimmung oft diskutiert, doch teeren kommt aus diversen Gründen nicht in Frage. «Teer erhitzt stark und ist im Winter weniger griffig als Pflastersteine. Ausserdem würde es den historischen Dorfkern abwerten», so Gemeiderat Peter Künzle. Die Steine sollen aus Europa kommen und unter fairen Arbeitsbedingungen produziert werden.
Einige Erkenntnisse des Abends sind: Die vorgesehene Erhöhung der Zahl der öffentlichen Parkplätze gegenüber der ersten Vorlage von 18 auf 27 (aktuell sind es 37) sowie die Senkung der Kosten kamen bei den Teilnehmenden gut an. Auch die Rückmeldungen der Anwesenden zu den Überlegungen zur Pflästerung, zur zusätzlichen Begrünung und zur Nutzung fielen mehrheitlich positiv aus. So erarbeitet die Gemeinde Nutzungskonzepte und eine Ansprechsperson solle Bewilligungen und Reservationen koordinieren. Ausserdem soll die Wasser- und Stromversorgung gewährleistet sein, fix installierte Lautprecher angebracht sowie ein Materialraum die Nutzung für Events vereinfachen. Hörte man den Beteiligten an den Themenstationen zu, so waren immer wieder Bedenken zu hören, dass eine erneute Abstimmung mit den Parkplätzen stehe und falle. «Die Tiefgarage ist seit 40 Jahren unterbelegt. Und auch hier: Lassen wir die Parkplätze wie heute bestehen, werden keine Agglomerationsbeiträge kommen», erklärt Eugster. Der Platz müsse nutzbar sein. Er fächert die effektiven Kosten, die voraussichtlich für die Gemeinde enstehen würden, nochmals auf. «Mit Geldern der Denkmalpflege, aus dem Agglomerationsprogramm sowie der Beteiligung des Kantons kämen wir auf Kosten von rund acht Millionen. Eine reine Sanierung würde mindestens sechs Millionen kosten – aber ohne Mehrwert.»
Weitere Anpassungen: Die Durchfahrt von der Oberdorfstrasse auf den Obstmarkt würde bestehen bleiben. Bei den Sitzgelegenheiten wären statt elf noch neun Baumtröge angedacht, auf deren Rändern man sitzen kann. Bei den fixen Parkplätzen gäbe es wie erwähnt neun mehr sowie die Möglichkeit von 15 zusätzlichen Plätzen bei Sonderanlässen. Was ein solcher Sonderanlass ist, wurde bislang nicht festgelegt. Die Auswertung des Anlasses fliesst in die weitere Projektüberarbeitung ein. Voraussichtlich Anfang 2026 wird der Gemeinderat nach sorgfältiger Abwägung und Rücksprache mit der Projektgruppe und dem Planerteam in einer ersten Lesung die neue Vorlage beraten. Der Anlass war deshalb nicht öffentlich, da man jene über die Anpassungen informieren wollten, die am Dialogforum waren und ihre Anliegen eingebracht haben. Ob es sonstige Mitwirkungsmöglichkeiten für die Bevölkerung geben wird, konnte Künzle noch nicht sagen. Den Anlass nahm er als sehr positiv wahr. «Jetzt gilt es, Informationen zu vermitteln, um vom Projekt zu überzeugen», so Künzle.
Stefanie Rohner
Lade Fotos..