Sarah-Louisa Rohrer
ist Miss Universe Switzerland Kandidatin.
Ab dem 1. Januar 2026 steigen trotz günstigerer Beschaffungskosten die Strompreise in der St.Galler Grundversorgung. Ursache sind höhere Netzkosten, Mehrkosten für Ausgleichsenergie, Effizienzmassnahmen und eine Unterdeckung aus früheren Jahren.
Energie Die St.Galler Stadtwerke passen ihre Tarife zum Jahreswechsel an. Für den auf der Website ausgewiesenen Beispielhaushalt – 2200 Kilowattstunden Jahresverbrauch bei einer Einzelperson ohne Elektroboiler, Mehrwertsteuer inbegriffen – bedeutet dies konkret: Der Monatspreis für St.Galler Strom Grau steigt von 60.85 auf 64.85 Franken, St.Galler Strom Basis erhöht sich von 61.85 auf 65.85 Franken, St.Galler Strom Öko klettert von 65.60 auf 69.60 Franken und St.Galler Strom Öko Plus von 69.40 auf 73.40 Franken. Je nach Produkt ergeben sich für den durchschnittlichen Haushalt in der Stadt St.Gallen damit Mehrkosten von rund 50 bis 75 Franken pro Jahr.
Der Strompreis in der Grundversorgung setzt sich aus dem Energietarif, dem Netznutzungstarif sowie den gesetzlich vorgeschriebenen Abgaben an Bund und Gemeinwesen zusammen. Der Netznutzungstarif deckt Kosten für das Verteilnetz und die allgemeinen Systemdienstleistungen der nationalen Netzgesellschaft Swissgrid; hinzu kommt die vom Bund bereitgestellte Winterstromreserve. Obwohl die Beschaffung auf dem Aktionärs- und Terminmarkt günstiger ist, bleibt der Energietarif unverändert, weil Mehrkosten für Ausgleichsenergie, die Umsetzung bundesrechtlicher Effizienzmassnahmen und eine Unterdeckung aus früheren Jahren diese Entlastung neutralisieren. Netzseitig verteuern insbesondere die gesetzlich vorgegebene Einführung von Smart Metern und der vom Gesetzgeber geforderte separate Ausweis der Messkosten die Tarife; diese Messkosten werden als monatliche Gebühr pro Messpunkt verrechnet. Zudem kostet der Grundpreis künftig im Einfachtarif und im Doppeltarif gleich viel. Langfristig rechnen die St.Galler Stadtwerke mit einem moderaten Verlauf. «Bei der Volksabstimmung vom 24. November 2024 betreffend Verstärkung des Elektrizitätsnetzes der Stadt St.Gallen wurde davon ausgegangen, dass sich die Netzkosten bis zum Jahr 2030 um knapp 5 Rappen pro Kilowattstunde erhöhen werden. Bis zum Jahr 2030 ist also eine weitere Erhöhung um 3 Rappen pro Kilowattstunde möglich», sagt Peter Graf, Bereichsleiter Energie, Verkauf und Marketing bei den St.Galler Stadtwerken mit Blick auf die Netzkosten. Über die Gesamtsicht erklärt er zudem: «Über alle Kostenkomponenten zusammen wird sich die Preissituation unseres Erachtens eher stabilisieren.» Bei den Energiekosten erwarten die St.Galler Stadtwerke in den nächsten drei Jahren eher stabile Preise und danach bis 2030 sinkende Kosten; die Beschaffung dürfte im Sommer tendenziell günstiger, im Winter teurer werden. Die Entwicklung der Ausgleichsenergiekosten sei schwer abschätzbar und könnte mit zunehmender Photovoltaik-Einspeisung wegen grösserer Prognoseabweichungen ansteigen.
Mit dem Anstieg der Strompreise lohnt es sich, einen Blick auf die vier verschiedenen Stromprodukte der Stadt St.Gallen zu werfen. Die Preisunterschiede sind stark von der Ökobilanz der einzelnen Stromprodukte abhängig. Grundlage sind die sogenannten Umweltbelastungspunkte (UBP). Bewertet werden unter anderem Treibhausgase, Ressourcenverbrauch sowie Luft- und Bodenbelastung. Ergänzend zeigt der CO₂-Äquivalentwert pro Kilowattstunde die Klimawirkung. Im Produktvergleich erreicht St.Galler Strom Öko Plus mit 100 UBP und 20 Gramm CO₂äq pro Kilowattstunde die besten Werte, da der Strom vollständig aus erneuerbaren Quellen stammt; St.Galler Strom Öko liegt bei 100 UBP und 25 Gramm CO₂äq mit einem Anteil von 98 Prozent erneuerbarer Energien knapp dahinter; St.Galler Strom Basis weist 225 UBP und 35 Gramm CO₂äq auf und liegt damit im Mittelfeld; St.Galler Strom Grau kommt auf 315 UBP und 15 Gramm CO₂äq, womit zwar die CO₂-Bilanz durch den hohen Kernenergieanteil günstig ausfällt, die Gesamtumweltbelastung aber am höchsten ist. Je umweltfreundlicher die Zusammensetzung – insbesondere mit höheren Anteilen von Solar- und Windenergie – desto höher sind in der Regel die Beschaffungskosten im Vergleich etwa zur Wasserkraft, was sich im Preis der jeweiligen Produkte niederschlägt.
sj
Lade Fotos..